Wer durch die Gänge eines Futtermarktes läuft, wird von bunten Verpackungen und künstlich aromatisierten Leckerlis förmlich erschlagen. Doch immer mehr Pferdebesitzer besinnen sich zurück auf den Ursprung: Reine Naturprodukte.
Eines dieser wiederentdeckten Ergänzungsfutter für Pferde ist das Johannisbrot (Carob). Oft als bloßes "Süßungsmittel" unterschätzt, steckt in der dunklen Schote eine beeindruckende Vielfalt an Inhaltsstoffen, die das Johannisbrot zu einem beliebten Futterzusatz macht.
In diesem Beitrag erfahren Sie, warum Johannisbrot in vielen Futterkammern zu finden ist, was es enthält und wie Sie es am besten füttern.
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Was ist Johannisbrot eigentlich?
Johannisbrot ist die Frucht des Johannisbrotbaumes (Ceratonia siliqua), einem immergrünen Baum, der vor allem im Mittelmeerraum beheimatet ist. Die langen, dunkelbraunen Schoten sind botanisch gesehen Hülsenfrüchte (Leguminosen).
Für unsere Tiere wird in der Regel die ganze Schote getrocknet, entkernt und grob zerkleinert (kibbled carob). Das Ergebnis ist ein Snack, der herrlich nach Karamell und Süßholz duftet.

Die Zusammensetzung: Warum Johannisbrot in vielen Kräutermischungen enthalten ist
Viele Pferdebesitzer kennen das Problem: Stress, Wetterumschwünge oder Futterumstellungen führen schnell zu Kotwasser oder weichem Kot. Genau hier wird Johannisbrot gern eingesetzt.
1. Tannine (Gerbstoffe)
Das Fruchtfleisch der Schote ist reich an sogenannten kondensierten Tanninen. In der Fachliteratur zur Tierernährung wird beschrieben, dass diese Gerbstoffe eine adstringierende (zusammenziehende) Eigenschaft besitzen. Sie bilden eine Art Schutzfilm auf der Schleimhaut [1].
Zudem binden Tannine Bakterien und Toxine im Darm. Johannisbrot wird daher häufig bei fütterungsbedingtem Durchfall eingesetzt.
2. Basische Eigenschaften und Pektin
Johannisbrot hat einen leicht basischen Charakter. In Kombination mit dem natürlich enthaltenen Pektin (einem gut verdaulichen Ballaststoff) ist es ein interessanter Futterzusatz, der von Pferden gern gefressen wird.

Vitamine & Mineralien: Mehr als nur Zucker
Kritiker merken oft an, dass Johannisbrot viel Zucker enthält. Das ist korrekt – der natürliche Zuckergehalt liegt zwischen 30 % und 50 %. Doch im Gegensatz zu Industriezucker oder Melasse liefert Johannisbrot ein wertvolles Paket an Begleitstoffen:
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Calcium & Phosphor: Johannisbrot hat ein sehr gutes Calcium-Verhältnis. Calcium ist ein wichtiger Mineralstoff in der Pferdefütterung.
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Kalium & Eisen: Natürlich enthaltene Mineralstoffe und Spurenelemente.
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Vitamine: Es enthält Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A) und B-Vitamine (B2, B3, B6) [2].
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Für welche Pferde eignet sich Johannisbrot?
Der "Mäkel-Prinz" (Appetitanregung)
Ihr Pferd frisst sein Mineralfutter nicht oder lässt Medikamente im Trog liegen? Die natürliche Süße und das intensive Aroma von Johannisbrot überdecken bittere Geschmäcker oft sehr effektiv. Eine Handvoll unter das Futter gemischt – und schon wird der Trog leer gefressen.
Das "Clicker-Pferd" (Training)
Da unser Johannisbrot bereits geschnitten ist, eignet es sich perfekt als Clicker-Leckerli. Es klebt nicht in der Tasche, muss nicht lange gekaut werden und ist heiß begehrt.
Das "Reise-Pferd" (Futterumstellung)
Bei Pferden, die bei Hängerfahrten oder Stallwechsel zu weichem Kot neigen, wird Johannisbrot gern als Futterzusatz eingesetzt.

Wichtiger Hinweis: Wann Vorsicht geboten ist
Wir beim Scheunenlädchen legen Wert auf Transparenz. Aufgrund des hohen natürlichen Fruchtzuckergehaltes ist Johannisbrot nicht oder nur in sehr geringen Maßen geeignet für Pferde mit Stoffwechselerkrankungen wie:
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EMS (Equines Metabolisches Syndrom)
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Cushing (PPID)
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Hufrehe-Patienten
Für alle anderen Pferde ist der Zuckergehalt bei der empfohlenen Fütterungsmenge (ca. 75–100g bei einem Großpferd) jedoch unbedenklich, besonders wenn man bedenkt, dass ein einziger Apfel oder eine Karotte ebenfalls Zucker enthält.
Fazit: Ein beliebter natürlicher Futterzusatz
Johannisbrot ist weit mehr als ein Leckerli. Es ist ein Futtermittel mit einer vielseitigen Zusammensetzung, reich an Tanninen, Pektin und Mineralstoffen, das von Pferden sehr gern gefressen wird. Es ist die perfekte Alternative für alle, die ihr Pferd belohnen wollen, ohne auf industrielle Presslinge zurückzugreifen.
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Quellen & Weiterführende Literatur:
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[1] Meyer, H., & Coenen, M. (2014). Pferdefütterung. Enke Verlag. (Standardwerk der Pferdefütterung, verweist auf die Eigenschaften von Raufutterstrukturen und sekundären Pflanzenstoffen wie Tanninen).
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[2] L'Olmo, et al. (2006). Carob (Ceratonia siliqua L.): A functional food. (Studie über die antioxidativen Eigenschaften und Vitamingehalte der Johannisbrotschote).